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Warum die Kroko-Stiefel wieder unbedenklich sind



09.08.2004

Im Jahre 1969 galten alle auf der Erde vorkommenden Arten der Krokodile, Alligatoren und Kaimane entweder als vom Aussterben bedroht oder als stark gefährdet. Ihre Bestände hatten sich drastisch verringert, da Hunderttausende dieser Tiere ihrer wertvollen Haut wegen gefangen und getötet wurden. Die Häute wurden anschließend in modische Ledererzeugnisse verarbeitet und auf den internationalen Märkten gehandelt und verkauft. In Zeiten der Hochkonjunktur dieses Geschäfts wurden weltweit etwa sechs bis acht Millionen Krokodilhäute pro Jahr gehandelt, mit der Folge, dass eine Krokodilpopulation nach der anderen zusammenbrach.

 

Mit dem Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) im Jahr 1975 wurden jedoch erstmals rechtliche Grundlagen geschaffen, die es auch den Verbraucherländern ermöglichten, Maßnahmen gegen die Übernutzung und den Raubbau an frei lebenden Krokodilen zu ergreifen. Eine tatsächliche Verbesserung der Gesamtsituation trat jedoch erst nach weiteren 10 Jahren ein, nachdem der Krokodillederhandel eine deutliche Strukturveränderung erfahren hatte. Viele Händler hatten sich aus dem Häutehandel zurückgezogen oder waren auf legales Krokodilleder aus staatlich kontrollierten Wildentnahmen, aus Aufzuchtstationen (Randching-Betrieben) oder aus Farmzuchten umgestiegen. Derzeit spielt der illegale Handel mit Krokodilhäuten so gut wie keine Rolle mehr. Bis heute und nach über 30 Jahren erheblicher internationaler Schutzbemühungen konnte sich die Mehrheit aller kommerziell genutzten Krokodilarten wieder so gut erholen, dass sie von der Weltnaturschutzunion (IUCN) nicht mehr als bedroht eingestuft werden.  

 

Durch das "Ranching" sind einige Arten sogar wieder so häufig, dass unter staatlicher Kontrolle eine nachhaltige Entnahme aus der freien Natur nicht mehr nur als unbedenklich, sondern sogar als für die Bestände der Art förderlich angesehen werden kann. Denn eine kontrollierte und nachhaltige Nutzung hat sich nicht nur aus ökonomischer Sicht als vorteilhaft erwiesen, sondern auch das Bewusstsein für den Schutz der Krokodile geschärft.

 

Erfolgreiche Projekte der nachhaltigen Nutzung von Krokodilen gibt es mittlerweile in über 20 Ländern, beispielsweise den USA, Simbabwe Venezuela, Papua Neuguinea, Australien und Indonesien. Teilweise mit Unterstützung der internationalen Entwicklungshilfe wurden Programme ins Leben gerufen, aus denen heute auf nachhaltige Weise mehrere Hunderttausend völlig legale Krokodil-Häute auf den internationalen Markt gelangen. Und obgleich sich diese Programme in ihren Grundkonzeptionen teilweise erheblich unterscheiden, ist ihnen ein Grundprinzip immer gemeinsam: Es werden der freien Natur nur eine begrenzte und streng überwachte Anzahl von wildlebenden Tieren oder Eiern entnommen, so dass die Anzahl der Nachkommen stets die Zahl der genutzten Tiere übersteigt. Erst hierdurch wird eine langfristig angelegte, naturverträgliche Nutzung ermöglicht, sichergestellt und ökonomisch sinnvoll umgesetzt. Und wenn all diese Faktoren zusammenkommen, dann nutzt auch die Nutzung dem Naturschutz... Nachhaltig!